Geschichte mit Feuer

Später, als leistungsfähigere Berliner Fabriken die Eisenwarenproduktion an sich zogen und mit dem Verschwinden der kleinen Handwerksbetriebe aus der Stadt Zaine überflüssig waren, wurde die Zainhammermühle zu einer Knochenmühle umgebaut. Knochenbrecher ersetzten nun die Hämmer und die Esse des Glühfeuers diente als Brennofen.

Glaubt man den Worten des Historikers Rudolf Schmidt, so gelangten massenhaft Knochen von Polen, Dänemark und Schweden, ja sogar von Scharfrichtereien über den Finowkanal nach Eberswalde. Rings um die Mühle lagerten tausende Zentner wie Holz aufgestapelter Knochen. Die Vorstellung von Anblick und Geruch läßt uns noch heute schaudern, und vielleicht gehen seit jener Zeit Geister in den alten Gebäuden um.

Die Knochen wurden in der Mühle zunächst in drei Zoll lange Stücke gebrochen. Diese füllte man in eiserne, zylindrische Töpfe. Zu sechst übereinander gestapelt und mittels Ton luftdicht verschlossenen, wurden sie wie Porzellan oder Töpferwaren gebrannt. Durch das Fehlen von Luft verkohlten die Knochen zu Knochenkohle. Nach Reinigungs- und weiteren Mahlprozessen hatte sich der schaurige Rohstoff in ein schwarzes Puder verwandelt. Die Eberswalder versandten es an die Zuckerfabriken von Berlin, Stettin und Hamburg, später auch nach Dänemark und England. Diese benötigten die Knochenkohle bei der Raffination des Rübenzuckers statt des bis dahin üblichen Ochsenblutes und Kalkes.

Der immense Knochenkohlebedarf und das unternehmerische Geschick der Gebrüder Schickler verwandelten den Zainhammer in ein florierendes Geschäft. Neben bis zu 10 000 Zentnern Knochenmehl pro Jahr wurden auch Ammoniak und Düngemittel hergestellt.

Im Jahre 1855 hatte sich das Anwesen auf zwei 80 bzw. 25 Schritt lange Gebäude mit Brennerei, Ammoniakfabrik, Mühlenwerken, Trockenofen, und Laboratorium ausgedehnt. Eine Schmiede und Lagerhäuser komplettierten die Anlage. Außerdem fanden sich Wohnungen und Ställe für zwei Familien und eine Gastwirtschaft nebst Kegelbahn. Offensichtlich war die Knochenbrennerei nicht nur übelriechend, sondern auch gefährlich, denn am 2. Oktober 1866 vernichtete ein Feuer die Mühle.