Geschichte mit Eisen

Einhundertundfünfzig Jahre nach dem auch für Eberswalde belastenden 30jährigen Krieg strebte die Stadt zu neuer Blüte auf. Der zweite Finowkanal war erbaut worden, eisen-, buntmetall- und holzverarbeitende Betriebe waren entstanden, mehrere Mühlen arbeiteten zum Wohle ihrer Besitzer, Handwerker und Arbeiter aus der Schweiz und aus Thüringen hatten sich angesiedelt. Diese günstigen Voraussetzungen nutzen wollend, erwarben die Splitgerberschen Erben (nachher Gebrüder Schickler) ein Stück Land im sumpfigen Schwärzetal zum Bau einer Zainhammermühle. Die Aussichten dieses Gewerbes müssen gut gewesen sein, denn in der Kaufurkunde verpflichteten sich die zukünftigen Besitzer, die Schwärze auf eigene Kosten zu beräumen, Schäden an Wiesen und Forsten zu vermeiden und dafür zu sorgen, daß ihre Arbeiter nicht in der Schwärze fischten.

Ab 1780 entzog die Mühle mit bis zu drei oberschlächtigen Wasserrädern dem Flüßchen Energie zur Bearbeitung von Eisen. Das Wasser trieb über Wellen, Räder und Stößel ein Hammerwerk und einen Blasebalg an. Mehr als 40 Jahre lang wurden unter diesen Hämmern aus erhitztem Roheisen sogenannte Zaine, das sind dünne, aus stärkeren Gußstücken "gezogene" Eisenstäbe, geschmiedet. Das so veredelte Eisen diente Ruhlaer Messerschmieden in der Vorstadt von Eberswalde, der heutigen Ruhlaer Straße, als Ausgangsmaterial für Messer, Nägel und Werkzeuge. Auch stellten die Arbeiter Ambosse, Hämmer und Modelle für den Kupferhammer her.

Die baulichen Anlagen jener Zeit muß man sich als zweigeschossiges Hammergebäude, welches je einen Stab- und einen Zainhammer, eine Esse und einen Blasebalg beherbergte, vorstellen. Daneben befanden sich noch ein Materialmagazin und ein Gebäude mit Arbeiterwohnungen.