Geschichte mit Händen

Auf der Suche nach Arbeitsräumen für die Kulturbundgruppe Holzgestaltung stieß Dr. Gerald Schrödl 1987 auf die immer mehr verfallende Zainhammermühle. Mit einer Leiter bahnte er sich den Weg in die Ruine. Der Anblick muß unvorstellbar trostlos gewesen sein. Trotzdem konnte er sowohl die Mitglieder der Gruppe Holzgestaltung, als auch die Stadtverwaltung von der Eignung als Schnitz- und Drechselwerkstatt überzeugen. Spontan übergab Bürgermeister Quahl die Mühle per Handschlag an die "Holzwürmer".

Der Zeichenzirkel suchte unter der Leitung von Jens Münchberger zunächst nach individueller künstlerischer Entfaltung und neuen, ungewöhnlichen Ausdrucksmöglichkeiten. Er gründeten die Gruppe (Neue) Malerei. Am 10.04.1988 gesellte sich diese Gruppe zu den bereits unerschrocken im Gemäuer der letzten Mühle des Schwärzetales tätigen Holzgestaltern.
Ein Denkmal, eine Werkstatt, ja ein Künstlerdomizil soll aus der Mühle werden. In der Phantasie der Frauen und Männer spazieren die Eberswalder auf dem Schwappachweg zur "Kaffeemühle", einem romantischen Galeriecafé unter alten Kastanien. In den Ateliers der Mühle schaffen Holzbildhauer und Maler ihre Werke, und ihre Ausstellungen geraten zu kulturellen Höhepunkten, die über die Stadtgrenzen hinaus bekannt werden...

Zunächst aber wurden fleißige Hände gebraucht. Unermüdlich hallte das Geklopfe von Hämmern und das Gekreisch von Sägen am verschlafenen Teich. Langsam begann das alte Gemäuer zu genesen: Das Dach wurde völlig neu gedeckt, der Keller trocknete, viele morsche Balken und Dielen wurden ersetzt und nach und nach verschwand das Gerümpel der Vergangenheit. Das Kunststück bestand darin, eine Ruine ohne offizielle Materialzuführungen zu reparieren.

Nur mittels unkonventioneller Ideen und Improvisationen ging es voran. So verbauten die neuen Müller Balken und Dielung, die sie der zweiten Etage entnommen hatten, im Erdgeschoß. Gedrechselte Leuchter und Schalen wurden gegen Baustoffe eingetauscht. Im Handbetrieb, nur die Physik eines Wagenhebers nutzend, hoben sie das Dach, um morsche Balkenköpfe zu sanieren. Unendlich mühsam aber trotzig-zielstrebig arbeiteten sie gegen den Hohn der Pessimisten, gegen Kälte und Feuchtigkeit zwischen Herbst und Frühling für ihren Traum. Nach und nach erhielten die alten Räume neue Funktionen. Mit tragfähigem Fußboden und frischer Farbe versehen, verwandelte sich die untere Etage in einen Ausstellungsraum. Elektrifiziert und beheizbar gemacht, entstanden im Wohnanbau der Mühle Arbeitsräume für die Maler und Grafiker und in der 1. Etage Werkstätten für die Holzgestalter.