Geschichte mit Gemälde

Im Sommer 1993 räumte Reinhard Wienke den Keller einer alten Villa am Stadtrand von Eberswalde auf. Auch eine schmutzige Platte, die einen Bretterverschlag abdichtete, sollte den Weg des anderen Gerümpels gehen. Doch halt! Auf der Platte kam eine in Öl gemalte Landschaft zum Vorschein.

Eine Reinigung brachte die Indizien "Düne, 41" (Vorderseite) und "Hans Düne, Eberswalde; 75RM" (Rückseite) zum Vorschein. Mit kriminalistischer Gründlichkeit versuchte W. den Kunstfrevel aufzuklären. Wer war das Opfer Düne? Wer der Täter? Die Spur des Täters verliert sich schnell. Vermutlich wurde das Bild in den Kriegswirren vor 1945 zweckentfremdet.

Aber gemeinsam mit dem Stadtmuseum wurde W. fündig: Hans Düne war in den 30er Jahren Zeichenlehrer an der Eberswalder Hindenburg-Oberrealschule. Die beiden Wohnanschriften und Berufsangaben 1936: Studienassessor, Triftstraße 33 und 1939: Studienrat, Freienwalder Straße 29 sind verbürgt. Hier jedoch verloren sich auch diese Spuren.
Weitere Befragungen älterer Eberswalder und das Ausstellen des Bildes in der Zainhammermühle mit der Bitte um Mithilfe brachten keine neuen Erkenntnisse. Es bleibt das Gemälde einer Urstomtal-Landschaft (?) in kühlen, distanzierten Farben, das auf einer Hartfaserplatte 50 Jahre feuchte Kellerhaft unbeschädigt überstanden hat. Vielleicht das Einzige, was von einem Eberswalder Zeichenlehrer nach dem 2. Weltkrieg übrig blieb...

Die Geschichte wäre nur halb so schön, wenn sie nicht doch noch ein Happy-End bekäme: Irgendwie gespannt war die Stimmung im April 1995 beim donnerstäglichen Treffen in der Zainhammermühle. An den Namen des Malers des von uns vorläufig als "Fundsache Düne" benannten Bildes konnte sich kaum einer erinnern. Plötzlich legte Andreas Bogdain einen Kunstband "Hans Düne" auf den Tisch. Schnell begriffen wir, das wir das Gemälde eines erfolgreichen Künstlers gefunden hatten. Zu unserer Überraschung galten fast alle Werke vor 1945 als verloren. Der im Jahre 1900 in Hannover geborene Hans Düne war Schüler von Itten und Schlemmer am Bauhaus in Weimar. Später studierte er an der Hochschule für Kunstpädagogik in Berlin-Schöneberg. Zwischen 1933 und 1939 hatte er tatsächlich in Eberswalde gewirkt. Der 2. Weltkrieg beendete seine erste Schaffensperiode, nahm ihm Hab und Gut, nahezu alle Bilder und die Heimat. In Hameln fand er wieder Arbeit und Wohnung und er begann seine zweite, sehr produktive Schaffensphase. Dort starb er auch im Jahre 1985.